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Viele Libellen sind gefährdet oder vom Aussterben bedroht

Region (r/j).  Saphirauge, Großer Blaupfeil, Blutrote Heidelibelle, Speer-Azurjungfer – die Namen verraten bereits eine Menge über die Farbenpracht und ungewöhnlichen Flugfähigkeiten einer Tiergruppe, die seit 150 Millionen Jahren in nahezu unveränderter Gestalt und Lebensweise auf der Erde existieren. Die Rede ist von den Libellen. 73 von 80 in Deutschland vorkommenden Arten finden sich in Niedersachsen und Bremen. Doch aufgrund von Lebensraumverlusten sind viele Libellenarten gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht. „Jetzt im Hochsommer lässt sich an vielen Gewässern der faszinierende und spielerisch leichte Flug der Libellen beobachten. Denn nur im Sommer und für wenige Wochen sind die Tiere als flugfähige Insekten unterwegs“, sagt Matthias Freter vom NABU Niedersachsen. „In dieser Form des Imago, also des ausgewachsenen, flugfähigen Tieres, prächtig schillernd, kennen die meisten Menschen die Libelle. Weniger bekannt ist, dass die Tiere davor, je nach Art, bis zu fünf Jahre im Verborgenen im Wasser gelebt haben“, führt er weiter aus. Libellen zählen zu den Fluginsekten und heben sich unter diesen durch ihre atemberaubende Flugtechnik hervor. Nicht nur, dass sie in der Lage sind auf bis zu 50 Stundenkilometer zu beschleunigen. Sie können auch in der Luft stehen bleiben, die Flugrichtung abrupt ändern, Loopings und sogar rückwärts fliegen. „Nicht von ungefähr stand die Libelle Pate für die Entwicklung der Helikopter“, erklärt Freter. Als Räuber jagen und fressen sie andere Insekten wie zum Beispiel Mücken oder Bremsen. Dank ihrer bemerkenswerten Beweglichkeit und den „Haaren“ an ihren Beinen fangen sie kleinere Insekten problemlos im Flug. Auf natürliche Weise werden so die Insekten-Populationen eines Biotops kontrolliert. Würden die Libellen fehlen, geriete das natürliche Verhältnis durcheinander. Darüber hinaus würden die Libellen wiederum Vögeln als Nahrung fehlen. Eine optimale Anpassung an ihre Lebensweise sind auch die Komplex- oder Facettenaugen, die einen großen Teil des Kopfes ausmachen und aus bis zu 30.000 Einzelaugen bestehen. Dadurch können Libellen auch Beutetiere erkennen, die sich sehr schnell bewegen. Mit diesem System verfügen sie wahrscheinlich über den besten Sehsinn unter den Insekten. „Zu den gefährdeten oder sogar vom Aussterben bedrohten Libellenarten gehören beispielsweise die Zwerglibelle und die Vogel-Azurjungfer. Hauptursache dafür ist der Verlust an Lebensräumen“, erläutert Matthias Freter. Libellen sind an Wasser gebunden, da ihre Larven nur dort existieren können. Die meisten Arten brauchen stehende Gewässer, einige sind aber auch an das Leben an Fließgewässern angepasst. Einzelne Arten wie die Torf-Mosaikjungfer oder die Speer-Azurjungfer sind auf saure, extrem nährstoffarme Moorgewässer angewiesen. „Wenn also Moore und andere Feuchtbiotope trockengelegt, Flüsse begradigt oder Uferbereiche umstrukturiert werden, steht oft die Existenz der lokalen Libellenpopulationen auf dem Spiel“, schildert Freter die Problematik. Auch die zunehmend ausgeprägten Dürrephasen können zum Schwund der Lebensräume und Libellen beitragen. Wichtige Schutzmaßnahmen für Libellen sind die Erhaltung und Renaturierung natürlicher, strukturreicher Gewässer sowie der Verzicht auf Pestizide und Dünger besonders in Gewässernähe. Sogar Besitzer eines Gartenteiches können etwas für die Libellen tun, indem sie beispielsweise auf den Besatz mit Goldfischen verzichten. Diese fressen nämlich gern Libellenlarven und ihr Kot überdüngt das Wasser. Übrigens: Anders als von Vielen angenommen, haben Libellen keinen Stachel und können deshalb nicht stechen. Sie beißen auch nicht und besitzen kein Gift. Für Menschen sind die schillernden Flugkünstler daher völlig harmlos.

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