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Premiere: Erste Frau zur stellvertretenden Gemeindebrandmeisterin gewählt

Wedemark (r/j). Mit überwältigender Mehrheit hob die Versammlung der Gemeindefeuerwehren die 36-jährige in ihr neues Amt. Sie erhielt 19 von 21 Stimmen. „Für mich ist dieses Amt eine Ehre und eine große Chance, ganz viel zu lernen“, kommentierte Kracke ihre Wahl. „Ich freue mich sehr, von meinen männlichen Kollegen für die Wahl vorgeschlagen, und dann durch die Ortsbrandmeister beziehungsweise deren Stellvertreter gewählt worden zu sein.“ „Wir sind auf Wiebke aufmerksam geworden, weil sie sich in der Vergangenheit immer wieder als überaus engagierte, zuverlässige und kompetente Gesprächspartnerin erwiesen hat“, beschreibt Gemeindebrandmeister Maik Plischke die Entscheidungsfindung. „Mein Vertreter Sebastian Jagau und ich suchten ganz bewusst nach einer Kameradin, weil neues Denken in der Gemeindefeuerwehr eine Chance bekommen soll. Auch der Feuerwehr Wedemark steht es gut zu Gesicht, sich zeitgemäß auszurichten. Zudem braucht das Amt neben der reinen Fachkompetenz eine hohe Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit. Schließlich sind wir als Gemeinde-Feuerwehrführung die Schnittstelle in die Verwaltung und zur Politik. Vor diesem Hintergrund waren wir uns schnell einig, Wiebke Kracke zur Wahl vorzuschlagen.“ „Das war eine sehr gute Entscheidung“, ist sich Bürgermeister Helge Zychlinski sicher. „Immerhin werden so die 82 ehrenamtlichen Kameradinnen, die sich in unseren Ortswehren unermüdlich einbringen, endlich angemessen repräsentiert. Ich finde das ausgezeichnet!“ In den Führungen der Ortswehren seien Frauen bisher nicht vertreten. Auch regionsweit sei Kracke die einzige Frau auf diesem Posten. „Ich freue mich sehr über weibliche Verstärkung in unserer Feuerwehrführung“, sagt auch Susanne Schönemeier. Sie ist als Erste Gemeinderätin für die Feuerwehr in der Gemeindeverwaltung zuständig. Das sei keine Entscheidung gegen die Männer an der Spitze, verdeutlicht sie. „Eine Frau in dieser Führungsposition ermöglicht aber auch mal einen Perspektivwechsel, die Zeit dafür war reif. Ich gratuliere Wiebke Kracke zu dem tollen Wahlergebnis.“ Das Gremium hat sich für keine Unbekannte entschieden, immerhin ist Kracke bereits mit zehn Jahren in die Jugendfeuerwehr eingetreten. Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte sie sich schon viel früher engagiert. „Damals konnte ich es nicht abwarten, endlich alt genug für die Jugendfeuerwehr zu werden“, erinnert sich die in Meitze Aufgewachsene. Dass sie schon von Kindesbeinen an so sehr für die Feuerwehr brannte, hatte einen handfesten Grund: Ihr Vater Hermann Kracke leitete über vier Amtszeiten –24 Jahre – lang als Ortsbrandmeister die Feuerwehr in Meitze. Sie machte zunächst eine Ausbildung zur Erzieherin und absolvierte danach ein Studium zur Grund-, Haupt und Realschullehrerin. Ihre Studienzeit verbrachte Wiebke Kracke nicht in der Wedemark, brachte sich aber nach ihrer Rückkehr nach Meitze schnell wieder aktiv in den Feuerwehrdienst ein – zunächst als Schriftführerin, danach als Jugendwartin. Aktuell ist Wiebke Kracke Grundschullehrerin in Isernhagen und hat immer noch das Amt der stellvertretenden Jugendwartin in der Ortswehr Meitze inne. Im vergangenen Jahr wurde Wiebke Kracke bereits für 25 Jahre Verdienste in der Feuerwehr geehrt. Ein Projekt liegt der engagierten Feuerwehrfrau besonders am Herzen: „Ich bin Mitglied in der ortsübergreifenden Wettkampfgruppe der Frauen „Brandheiß“, die dieses Jahr bereits ihr 10-jähriges Jubiläum hatte. Gerne hätten wir das gefeiert, aber das holen wir nach“, ist sich die designierte stellvertretende Gemeindebrandmeisterin sicher. Zunächst richtet sich ihre Aufmerksamkeit aber ganz auf ihr neues Amt. „Mein Ziel ist es, neue Energie sowie hier und da mal eine andere Perspektive einzubringen, und einen Beitrag zum kommunikativen, wertschätzenden Klima in der Feuerwehr zu leisten.“ Der Rat muss die neue stellvertretende Gemeindebrandmeisterin noch formell bestätigen, nachdem sie die noch fehlenden Lehrgänge absolviert hat. Danach wird Bürgermeister Helge Zychlinski sie dann offiziell vereidigen. Bis dahin ist Wiebke Kracke kommissarisch im Amt.

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