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In diesem Jahr gab es das Schützenfest „für zu Hause” aus der Tüte

Elzer Schützen setzen ein Zeichen für ihre Gemeinschaft und fanden Alternativen

Elze (jo). Besondere Zeiten erfordern besondere Ideen. Und die haben die Mitglieder des Elzer Schhützenvereins in der Vergangenheit schon mehrfach gehabt – und auch umgesetzt. Aber ein Schützenfest „für zu Hause” in eine Papiertüte zu packen und im Dorf an die Mitglieder zu verteilen, das hat es in dieser Form noch nicht gegeben. „Wir hätten am Wochenende unser traditionelles Schützen­fest im Zelt mit vielen Gästen gefeiert”, sagte Vereinsvorsitzende Birgit Gräfenkämper vor einer kleinen Gruppe vor dem Schützenhaus. „Und wir haben lange überlegt, was wir mit den Preisträgern machen, die wir in diesem Jahr nicht ermitteln konnten.” Nach einigen Überlegungen sei der Entschluss gefallen, die Amtszeiten der Vorjahres-Majestäten um ein weiteres Jahr zu verlängern. Dies aber nicht sang- und klanglos, sondern in Form einer traditionellen Proklamation. Unter Einhaltung aller Hygienemaßnahmen, mit Dokumentationsliste, markierten Abstandspunkten auf dem Pflaster, Mund-Nasen-Masken in den Schützenfarben grün und weiß, Desinfektionsmitteln, Schützentracht und jeder Menge frischer Luft ging der offizielle Teil über die Bühne. Und sogar Scheibennägler Dirk Müschen konnte zum Einsatz kommen. „Wir feiern im nächsten Jahr unser 100-jähriges Jubiläum sagte Birgit Gräfenkämper, „und wir haben überlegt, dass es schade wäre, wenn in der Reihe unserer Chronik dann eine Scheibe fehlen würde.” Also wurde wieder überlegt und so hat nun die Scheibe mit der Aufschrift „König Corona” ihren Platz am Schützenhaus gefunden. Eingerahmt wurde die Proklamation von eingespielter Blasmusik, auf die traditionellen Ehrentänze musste allerdings wegen der Abstandsregeln verzichtet werden. Das galt auch für das leibliche Wohl, es gab weder Geträn- ke noch Bratwurst oder andere Verpflegung. Dafür gab es für alle Anwesenden am Ende die Papiertüte, die alles zu bieten hatte, was man für ein Schützen­fest so braucht: Ein Bier für die Erwachsenen, für die Kinder eine Brause, ein kleines Fläschchen „Schluck”, ein Lebkuchenherz mit dem Aufdruck „Vivat Elze”, ein Päckchen Schaumwaffeln, ein Tütchen Popcorn, ein grün-weißes Fähnchen und zu guter Letzt eine Mund-Nasen-Maske in den Schützenfarben. Und ein Brief an alle Mitglieder vom Vorstand: „Die Corona-Pandemie hat das Leben verändert“, heißt es da: „…alles Schöne, das wir gemeinsam erlebt haben, droht in Vergessenheit zu geraten. Deshalb wollen wir uns heute mit der Idee an euch wenden und laden euch zum Schützenfest zu Hause ein.” Verbunden mit der Einladung war die Verabredung, am Sonntagabend um 20 Uhr gemeinsam die Könige 2020 zu feiern und davon ein Foto oder Video zu machen. Die Bilder oder kurzen Filme sollen anschließend auf der Homepage des Vereins eingestellt werden und so zumindest ein Stück Gemeinschaft nach außen spiegeln. Über die Idee, das Schützenfest zu den Mitgliedern nach Hause zu bringen, freute sich auch Ortsbürgermeister Jürgen Benk: „Es ist heute schon ein besonderer Tag. Das Zelt fehlt, das Essen fehlt und die Gäste fehlen.” Dennoch sei die Schützenfest-Tüte eine tolle Idee: „In kleinem Rahmen konnte so ein großer Beitrag für die Dorfgemeinschaft geleistet werden.” Und auch Dirk Müschen betonte, dass in Corona-Zeiten ein besonderer Teil der Geschichte des Vereins geschrieben werde: „Die Scheibe hier am Schützenhaus soll jeden daran erinnern, dass wir trotz allem das Schützenwesen im Dorf am Leben erhalten wollen.” Der kleine Festakt war nach einer halben Stunde zu Ende, als Birgit Gräfenkämper die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verabschiedete und ihnen wünschte „kommt gut nach Hause”. Und während sich die kleine Gesellschaft voneinander verabschiedete, wurden weitere Schützenfest-Tüten auf einen kleinen Anhänger geladen, in dessen Mitte die grün-weiße Festfahne bereits Platz gefunden hatte. Votrstandsmitglieder gesellten sich schließlich dazu und machten sich auf den Weg ins Dorf, um auch den Ehrenmitgliedern das Schützenfest noch nach Hause zu bringen: „Das sind diejenigen, die unserem Verein mit am Längsten die Treue halten, die aber schon allein aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe zählen”, sagte Gräfenkämper, „deshalb werden sie von uns persönlich besucht und damit wollen wir ihnen zeigen, dass sie zu uns gehören.” Majestäten 2019/2020: Bürgerkönig: Christoph Meinen; Damenkönigin: Julia Rotz, Jugend- und Juniorenkönig: Robin Hochreiter; Kinderkönig: Tom Erler; Laserkönigin: Fiona Meybauer; Kreiskinderkönigin: Sarah Meissner; Ortsratskette: Gerd Bruns; Willerspokal: Inge Benk, Gänsekönig: Karl Heinz Bulitz.

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