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Bürgerinitiative kann das Fernsehen für sich gewinnen

Negenborn (jo). Jeden Morgen und nach Schulschluss sind die Szenen immer wieder gleich: Die Kinder aus dem Ort Negenborn müssen die beiden Hauptverkehrsstraßen im Dorf auf dem Weg zur Bushaltestelle oder wieder zurück nach Hause überqueren. Eigentlich alltäglich, aber oft genug auch mehr als gefährlich. Denn nicht alle Kraftfahrer halten sich an die innerörtlich vorgeschriebene Geschwindigkeitsbegrenzung und sind deutlich schneller auf der Ortsdurchfahrt unterwegs. Nicht zuletzt diese Tatsache war vor drei Jahren für viele Eltern und auch Großeltern guter Grund, eine Bürgerinitiative zu gründen und eine sichere Querungsmöglichkeit zu fordern. Unterschiedliche Aktionen wurden bis dato organisiert, von der Lichterkette in den Wintermonaten bis hin zum Aufstellen von Warnfiguren. Zahlreiche Vertreter der Politik waren bereits zu Gast, um sich die Situation vor Ort selbst anzuschauen. Alles bisher ohne greifbaren Erfolg, wie Sprecherin Angela Janczikowski, Mutter von zwei kleinen Mädchen, wenig zufrieden feststellte. Und so hatte ihr Mann die Idee, das Fernsehen einzuschalten. Mit Erfolg, am vergangenen Donnerstagmorgen rückte ein Fernsehteam von NDR 3 an um eine ausführliche Dokumentation des Ist-Zustandes für die Sendung „Markt” abzudrehen. Schon früh aufstehen mussten für diesen Dreh alle Beteiligten, denn gerade am frühen Morgen, wenn sich die Kinder auf den Schulweg machen und der Berufsverkehr zeitgleich über die Straßen rollt, dann kommt es immer wieder zu prekären Situationen. Am Drehtag allerdings hielten sich die Geschwindigkeitsüberschreitungen in Grenzen. Einerseits mag die ungewohnte Menschenansammlung auf dem Bürgersteig dafür gesorgt haben, andererseits waren vermutlich auch die groß gemalten Poster mit der Aufschrift „Bitte langsam fahren” mit einem freundlich gemeinten „Danke” dahinter der Grund. Wann der Filmdreh genau in der Sendung „Markt” zu sehen sein wird, steht noch nicht fest, voraussichtlich aber noch vor dem Start der Sommerferien am 4. Juli. Angela Janczikowski: „Wir haben nun schon viel unternommen und ganz unterschiedliche Stellen wie die Gemeinde, die Region und auch das Land angesprochen, damit wir hier eine Lösung finden können. Ich verstehe nicht, warum in anderen Orten eine Ampelanlage möglich ist, aber hier bei uns nicht”. Aktuell werde im Dorf gerade an zentraler Stelle eine Kindertagesstätte gebaut, dies sei Zeugnis dafür, dass es im Ort wirklich viele Kinder gebe: „Und auch wenn man es sich kaum vorstellen kann, hier gibt es Familien, die möchten ihre Kinder dann sicher zu Fuß dorthin bringen”. Wie ihre Mitstreiter auch wünscht sie sich, dass ihre Sorgen ernst genommen werden: „Es wird für viele andere Dinge Geld ausgegeben, dagegen ist der Wunsch nach einer Ampel, die etwa 25.000 Euro kosten würde, eigentlich zu erfüllen”. Alternativ könnten sich die Mitglieder der Bürgerinitiative aber auch eine Verkehrsberuhigung mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 30 vorstellen, oder sogar die Umwandlung der Ortsdurchfahrt in eine Fahrradstraße: „Das geht in anderen Städten auch, warum dann hier nicht!” Und eine Tatsache findet sie bezeichnend: „Vor wenigen Tagen erst ist das neue Kinderrechtskunstwerk hier in Negenborn eingerichtet worden, dass die Wedemärker Kinderrechtsstraße mit Neustadt und Wunstorf verbinden soll. Das Werk steht vor der Kapelle, gleich gegenüber der Bushaltestelle. Es weißt auf die Kinderrechte hin, dann müssen sie aber auch gelebt werden”.

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